Hobbygärten in Deutschland: Der Schrebergarten

Hobbygärten in Deutschland: Wer durch die grauen Häuserchluchten und geordneten Straßen Deutschlands spaziert, stößt manchmal auf eine verborgene Welt: aneinandergereihte kleine Hütten, aus deren Schornsteinen Rauch aufsteigt, umgeben von farbenfrohen Blumen. Dies ist die Welt der Schrebergärten – oder offiziell: der Kleingärten – ein untrennbarer Teil der deutschen Kultur.
Wenn auch Sie davon träumen, eigene Tomaten zu ernten und am Wochenende die Erde unter den Fingern zu spüren, fragen Sie sich sicher, wie der Weg zu diesem kleinen grünen Paradies aussieht. Aber eines vorweg: Es geht nicht nur darum, ein Stück Land zu mieten; es bedeutet, Teil einer Gemeinschaft und eines festen Regelwerks zu werden.
Was ist ein Schrebergarten? Das System der Schrebergärten reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Benannt nach Dr. Moritz Schreber, waren diese Gärten ursprünglich dafür gedacht, Stadtkindern Bewegung an der frischen Luft zu ermöglichen und einkommensschwachen Familien die Selbstversorgung zu erleichtern. Heute sind sie soziale Lebensräume für Menschen jeden Alters und jeder Nationalität, in denen auch das ökologische Gleichgewicht gepflegt wird.
In Deutschland gibt es schätzungsweise eine Million Kleingärten. Die Flächen gehören meist der Kommune (Stadt), werden aber über Vereine, die sogenannten Kleingartenvereine, langfristig an Einzelpersonen verpachtet.
Der Weg zum eigenen Garten: Der Prozess
Einen Garten in Deutschland zu pachten, erfordert Geduld und das Einhalten bestimmter Abläufe:
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Den passenden Verein finden: Gärten werden lokal verwaltet. Wenn Sie z. B. in Duisburg leben, suchen Sie nach „Duisburg Kleingartenvereine“. Ein Garten in der Nähe ist für die Pflege und Erreichbarkeit meist am sinnvollsten.
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Wartelisten: Da die Nachfrage in Großstädten hoch ist, müssen Sie sich oft auf eine Warteliste setzen lassen. Die Wartezeit kann je nach Region zwischen einigen Monaten und mehreren Jahren variieren.
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Vereinsmitgliedschaft: Um einen Garten zu pachten, müssen Sie Mitglied im jeweiligen Verein werden. Dies gibt Ihnen Mitspracherecht bei Entscheidungen und ermöglicht die Teilnahme am Vereinsleben.
Kosten und die „Ablöse“
Der größte Kostenfaktor ist meist die Ablöse. In diesem System pachten Sie den Boden, aber die Hütte, die Bäume und die Anlagen gehören dem Vorpächter.
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Wertermittlung: Der Vorpächter kann den Preis nicht willkürlich festlegen. Unabhängige Gutachter bewerten den Zustand und legen den Wert fest. Dieser liegt meist bei einigen tausend Euro.
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Jährliche Kosten: Pacht, Wasser, Strom, Versicherung und Vereinsbeiträge belaufen sich jährlich meist auf einen moderaten Betrag (einige hundert Euro).
Gärtnern nach Regeln: Pflichten
Ein Schrebergarten ist nicht nur Erholung. Das Bundeskleingartengesetz gibt klare Regeln vor:
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Anbaupflicht: Ein Teil des Gartens (meist ein Drittel) muss für den Anbau von Obst, Gemüse oder Kräutern genutzt werden. Nur Rasen und Liegestuhl reichen nicht aus.
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Laubengröße: Die Gartenhütte (Laube) darf in der Regel nicht größer als 24 sein.
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Wohnverbot: Es ist kein Wohnsitz. Übernachten wird im Sommer oft toleriert, dauerhaftes Wohnen ist jedoch illegal.
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Gemeinschaftsarbeit: Mitglieder müssen jährlich einige Stunden für die Pflege der Gemeinschaftsflächen (Wege, Hecken) leisten.
Warum ein Schrebergarten? Trotz der Regeln lohnt sich der Aufwand:
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Bio-Lebensmittel: Selbstgezogenes Gemüse schmeckt einfach besser.
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Soziale Kontakte: Besonders für Zugezogene ist der Verein ein toller Ort für Anschluss.
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Raum für Kinder: Natur pur statt Betonwüste.
